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die Taten der Barmherzigkeit.

"Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan",

soll den Leser auf einen Weg der Reflexion und des Verständnisses führen. Dieses Evangelium fordert uns auf, über die Bedeutung von Mitgefühl, Nächstenliebe und unserer täglichen Interaktion mit anderen nachzudenken

Geringsten und Bedürftigsten unter uns

Nicht die äußeren Rituale oder frommen Bekundungen sind entscheidend, sondern die innere Einstellung des Herzens und die Taten der Barmherzigkeit.

Geliebte Schwestern und Brüder in Christus!

Wie ein kraftvoller Donnerschlag hallt dieses Evangelium durch die Jahrhunderte bis in unsere Gegenwart. Es verkündet eine Botschaft von solch tiefgreifender Bedeutung, dass ihr Echo die tiefsten Winkel unserer Seele berührt und unser gesamtes Denken und Handeln hinterfragt.

Lasst uns gemeinsam in dieses ergreifende Geschehen eintauchen, das der Herr Jesus uns hier vor Augen führt. Er spricht von seinem glorreichen Wiederkommen am Ende der Zeiten, wenn er als Menschensohn in seiner Herrlichkeit erscheint, umgeben von den himmlischen Heerscharen. Dann wird er auf den Thron seiner göttlichen Majestät Platz nehmen, um das Urteil über alle Völker der Erde zu fällen.

Wie ein Hirte, der seine Herde prüft, wird er die Menschheit in zwei Gruppen einteilen: die Schafe und die Böcke. Die Schafe, die Gerechten, wird er zu seiner Rechten versammeln, während die Böcke, die Sünder, zur Linken stehen werden. Und dann, o welch beeindruckendes Ereignis, wird der König selbst, der Herr über alle Herren, das entscheidende Wort sprechen!

„Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Schöpfung für euch vorbereitet ist! Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt, und ihr habt mir Kleider gegeben; ich war krank und im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen.“

Wer kann die Tiefe dieser Worte wirklich erfassen? Der Herr identifiziert sich mit den Geringsten und Bedürftigsten unter uns. Alles Gute, das wir ihnen getan haben, haben wir ihm selbst erwiesen! So wie ein König, der zu seinen Untertanen geht, um ihre Sorgen zu erfahren, hat der Menschensohn sich in die Nöte und Leiden der Schwächsten begeben. Und nun nimmt er all das an, was wir für sie getan haben.

Verwundert und ergriffen fragen die Gerechten: „Herr, wann haben wir dich so gesehen und dir geholfen?“ Sie ahnen nicht, dass jede Tat der Barmherzigkeit und Nächstenliebe, die sie vollbrachten, dem Herrn selbst galt. Sie handelten nicht aus dem Streben nach Belohnung, sondern aus der tiefen Überzeugung ihres Herzens. Und genau deshalb wird der König sie als seine Erwählten anerkennen und ihnen das Reich schenken, das von Anfang an für sie bestimmt war.

Schwestern und Brüder, welch Licht und Kraft strahlt von diesem Evangelium aus! Es entfaltet eine Weite und Tiefe, die unser begrenztes Denken übersteigt. Lasst uns gemeinsam in die bedeutende Botschaft eintauchen, die der Herr uns hier offenbart.

Der Menschensohn, der Richter über alle Völker, ist in Wahrheit unser König und Hirte. Er, der Schöpfer und Herr des Universums, hat sich in unvorstellbarer Weise zu den Ärmsten und Schwächsten herabgelassen. In ihnen offenbart er seine eigene Gegenwart und identifiziert sich innig mit ihren Nöten und Sorgen.

Lasst uns daher nicht wegsehen von den Bedürftigen, Hungernden und Leidenden in unserer Mitte! Denn in ihnen begegnen wir dem Herrn selbst, der unser Herz und unsere Hände anruft. Gerade in den Geringsten zeigt sich seine göttliche Majestät, die alle menschliche Größe und Macht übersteigt.

Was für eine erschütternde Botschaft entfaltet sich hier vor uns! Der König aller Könige, der Herr des Himmels und der Erde, ist es, dem wir in den Armen und Schwachen begegnen. Alles, was wir ihnen an Barmherzigkeit und Nächstenliebe haben zukommen lassen, hat er als Teil seiner selbst angenommen.

Wie beschämt und demütigt uns das angesichts unserer Gleichgültigkeit und Kälte gegenüber den Notleidenden! Wie oft haben wir den Blick abgewandt, wenn uns ein Bettler um Hilfe bat? Wie oft haben wir die Ohren verschlossen, wenn uns die Schreie der Bedürftigen erreichten? Wie oft haben wir uns damit entschuldigt, dass wir selbst nicht genug haben?

Nein, meine Brüder und Schwestern, so dürfen wir nicht weitermachen! Denn in jedem hungrigen und dürstenden Menschen, in jedem Fremden und Obdachlosen, in jedem Nackten und Kranken, in jedem Gefangenen begegnen wir dem König selbst, dem Menschensohn in seiner göttlichen Majestät. Was immer wir für sie Gutes tun, tun wir für ihn. Und was wir ihnen verweigern, verweigern wir dem Herrn.

Wie schrecklich wird das Urteil des Richters über jene sein, die seine Brüder und Schwestern in der Not im Stich gelassen haben! „Geht von mir, ihr Verfluchten, ins ewige Feuer!“, wird er zu ihnen sagen. „Denn ich war hungrig, und ihr habt mir nichts zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir nichts zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich nicht aufgenommen; ich war nackt, und ihr habt mir keine Kleidung gegeben; ich war krank und im Gefängnis, und ihr seid nicht zu mir gekommen.“

Mit welcher Bestürzung werden jene Worte die Herzen der Böcke auf der linken Seite treffen! Wie erschrocken werden sie fragen: „Herr, wann haben wir dich so gesehen und dir nicht geholfen?“ Doch der König wird unbarmherzig antworten: „Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan.“

Oh, wie gnadenlos wird dieses Gericht sein! Nicht nach Glaubensbekenntnissen oder äußeren Taten wird hier gefragt, sondern allein nach der inneren Haltung und den Taten der barmherzigen Liebe. Nicht die, die sich fromm geben und vielleicht sogar Wunder vollbracht haben, werden auf der rechten Seite stehen, sondern die Demütigen und Barmherzigen.

Wie viele von uns werden am Ende wohl zu den Schafen oder zu den Böcken gehören? Wie viele werden auf der rechten und wie viele auf der linken Seite stehen? Das Evangelium gibt uns keine genauen Antworten, sondern lässt uns in heilsamer Ungewissheit, um uns zum Nachdenken und Handeln anzuregen.

Eines ist jedoch klar: Niemand kann sich auf seine fromme Gesinnung oder seine guten Werke verlassen. Weder der, der große Wunder vollbracht hat, noch der, der viele Gebete gesprochen und Opfer dargebracht hat. Nur die innere Haltung und die Taten der Barmherzigkeit zählen vor dem Richterstuhl Gottes.

Wie sehr müssenwir unsere Augen für die Not unserer Mitmenschen öffnen! Wie dringend sind wir aufgefordert, unsere Herzen zu weiten und unsere Hände für die Armen und Bedürftigen in unserer Mitte zu öffnen! Denn in jedem von ihnen begegnen wir dem Herrn selbst, dem Menschensohn in seiner göttlichen Herrlichkeit.

Wenn wir den Hungrigen zu essen geben, den Durstigen zu trinken, den Fremden aufnehmen, den Nackten kleiden, die Kranken besuchen und die Gefangenen trösten – dann tun wir dies nicht nur für sie, sondern für den Herrn selbst! Damit erfüllen wir das Gebot der Liebe, das er uns als höchste und unerlässliche Maßgabe für unser Christsein auferlegt hat.

Wie könnte es da Platz für Ausreden und Entschuldigungen geben? Wie könnten wir uns herausreden, dass wir selbst zu wenig haben, um anderen zu helfen? Denn was immer wir den Geringsten tun, das tun wir dem Herrn! Und was wir ihnen verweigern, verweigern wir ihm.

Schwestern und Brüder, lasst uns nicht länger untätig bleiben! Es ist an der Zeit, dass wir die Nöte unserer Zeit erkennen und aktiv werden. Jeder von uns kann einen Unterschied machen, indem wir die Liebe praktizieren, die unser Herr uns vorgelebt hat. In jeder kleinen Geste der Freundlichkeit, in jeder Tat der Barmherzigkeit, in jedem Moment des Mitgefühls können wir das Licht Christi in die Welt tragen.

Lasst uns einander ermutigen, den Blick nicht von den Bedürftigen abzuwenden, sondern ihnen mit offenen Herzen und offenen Händen zu begegnen. Mögen wir die Geringsten unter uns nicht übersehen, sondern sie als das annehmen, was sie sind: Geschöpfe Gottes, die unsere Hilfe und unsere Liebe dringend benötigen.

Möge der Herr uns die Kraft und den Mut geben, für die Schwächsten einzutreten und uns für Gerechtigkeit und Frieden einzusetzen. Lassen wir uns von der Botschaft des Evangeliums leiten und in unserem täglichen Leben die Prinzipien der Barmherzigkeit und Nächstenliebe verwirklichen. So werden wir nicht nur den Bedürftigen helfen, sondern auch dem Herrn selbst, der in ihnen gegenwärtig ist.

Möge unser Handeln von der Liebe geprägt sein, die wir in Christus empfangen haben, und möge unser Herz stets offen sein für die, die in Not sind. Denn am Ende wird nicht gefragt werden, wie oft wir gebetet oder wie viele fromme Worte wir gesprochen haben, sondern wie wir gehandelt haben, um die Liebe Gottes in der Welt sichtbar zu machen.

Lasst uns also mit neuer Entschlossenheit und Liebe in die Welt hinausgehen und die Botschaft der Barmherzigkeit verkünden. Möge unser Leben ein Zeugnis für die Liebe Christi sein, die uns alle verbindet und uns aufruft, wie er zu handeln – in all unserer Schwäche und allen unseren Herausforderungen.

Amen.