Die geburt Jesus Christus

Fürchtet euch nicht!“ In einer Welt voller Ängste

„Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde.“

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Fürchtet euch nicht!“ In einer Welt voller Ängste – vor Krieg, Klimawandel, persönlichem Scheitern – spricht Gott sein befreiendes Wort.

Der Heiland ist geboren. Nicht als ferner Gott, sondern als mitten unter uns lebendiger Christus. Die Hirten fanden ihn genau so, wie der Engel es gesagt hatte. Das ist die Verheißung auch für uns: Wer sucht, der findet. Wer aufbricht wie die Hirten, wird dem begegnen, der sich klein gemacht hat, um uns groß zu machen mit seiner Liebe. „Fürchtet euch nicht!“ In einer Welt voller Ängste – vor Krieg, Klimawandel, persönlichem Scheitern – spricht Gott sein befreiendes Wort. Der Heiland ist geboren. Nicht als ferner Gott, sondern als mitten unter uns lebendiger Christus. Die Hirten fanden ihn genau so, wie der Engel es gesagt hatte. Das ist die Verheißung auch für uns: Wer sucht, der findet. Wer aufbricht wie die Hirten, wird dem begegnen, der sich klein gemacht hat, um uns groß zu machen mit seiner Liebe.

original

Predigt: Lukas 2 - Geburt Jesu und die Hirten

Gott kommt in die Welt – Predigt über Lukas 2,1-10

Die Geburt Jesu und die Botschaft an die Hirten

1. Auslegung des Kapitels – Gott wird Mensch unter uns

„Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde.“ Lukas 2,1

Lukas beginnt seine Erzählung mit einem weltgeschichtlichen Fakt: Ein Kaiser in Rom trifft eine Entscheidung. Augustus, der mächtigste Mann seiner Zeit, setzt eine Volkszählung in Bewegung. Was wie eine administrative Maßnahme aussieht, entpuppt sich als göttliche Fügung. Während der Kaiser meint, er kontrolliere die Welt, lenkt Gott im Verborgenen die Fäden. Josef und Maria müssen nach Bethlehem – der Prophezeiung entsprechend. Gottes Plan entfaltet sich nicht abseits der Welt, sondern mitten in ihren politischen und gesellschaftlichen Realitäten.

Die Reise nach Bethlehem ist beschwerlich. Maria, hochschwanger, auf einem Esel, über holprige Wege. Kein Komfort, keine Vorzüge. Und dann, in Bethlehem: Kein Platz in der Herberge. Der Sohn Gottes findet keinen Raum in den menschlichen Behausungen. Er kommt in einem Stall zur Welt, windet sich in Windeln, wird in eine Futterkrippe gelegt. Das ist kein romantisches Weihnachtsbild – es ist das Bild der radikalen Selbsterniedrigung Gottes. Der Schöpfer des Himmels und der Erde wird ein hilfloses Kind. Die Herrlichkeit Gottes verbirgt sich in der Schwachheit menschlichen Fleisches.

„Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde.“ Lukas 2,8

Nicht den Mächtigen in Jerusalem, nicht den Frommen im Tempel wird die Nachricht zuerst verkündigt, sondern Hirten auf dem Feld. Sie galten als ungebildet, unzuverlässig, ihre Aussagen vor Gericht waren nichts wert. Sie lebten am Rande der Gesellschaft, schützten ihre Herden nachts vor Wölfen und Dieben. Ausgerechnet zu ihnen bricht die himmlische Herrlichkeit auf. Ein Engel des Herrn tritt zu ihnen – und die Klarheit des Herrn umleuchtet sie. Die Dunkelheit der Nacht wird vom Licht der göttlichen Gegenwart durchbrochen.

Die Reaktion der Hirten ist bezeichnicht: „Und sie fürchteten sich sehr.“ Die unmittelbare Begegnung mit dem Heiligen löst zunächst Furcht aus. Doch der Engel spricht die befreienden Worte: „Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.“ Die Botschaft ist universell – „allem Volk“ – aber sie beginnt bei den Geringgeachteten. Der Retter ist nicht nur für die Frommen da, sondern für alle. Er ist „Christus, der Herr“ – der lang ersehnte Gesalbte, der wahre König. Doch sein Thron ist eine Krippe.

„Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.“ Lukas 2,12

Das Zeichen ist paradox: Der Messias, in Windeln gewickelt. Der Herr der Welt, in einer Futterkrippe. Gott identifiziert sich mit den Ärmsten und Schwächsten. Die Hirten finden alles genau so vor, wie es ihnen gesagt wurde. Ihr Glaube wird belohnt. Sie werden die ersten Zeugen, die ersten Evangelisten. Sie verbreiten die Nachricht und alle, die es hören, wundern sich. Maria aber behält alle diese Worte und bewegt sie in ihrem Herzen. Hier stehen zwei Reaktionen nebeneinander: Das Weitererzählen und das stille Bewahren. Beides ist Antwort auf das Wunder der Menschwerdung Gottes.

2. Bezug zur Lebenswelt – Was bedeutet das für uns heute?

Die Geschichte von Bethlehem ist nicht nur ein vergangenes Ereignis. Sie spricht mitten in unsere Gegenwart hinein. Auch heute fühlen sich Menschen oft wie Josef und Maria: Unterwegs auf unsicheren Wegen, belastet von äußeren Umständen, suchend nach einem Ort der Geborgenheit. Auch heute gibt es Herbergen, die „keinen Platz“ haben – wo Menschen abgewiesen werden, wo keine Zeit, keine Aufmerksamkeit, keine Liebe mehr ist. Und doch: Gerade in solchen Erfahrungen offenbart sich Gott. Nicht immer als dramatische Lösung aller Probleme, sondern oft als stille Gegenwart in der Mitte der Not.

Gott sucht die Unscheinbaren auf

Die Hirten waren niemand Besonderes in den Augen der Welt. Gott aber wählt sie als erste Empfänger der frohen Botschaft. Das bedeutet: Kein Mensch ist für Gott unwichtig. Egal, welchen Status wir haben, welche Vergangenheit, welche Fehler – Gott kommt zu uns. Er begegnet uns nicht erst, wenn wir „heilig“ oder „geordnet“ sind, sondern genau da, wo wir sind. Auf dem Feld unseres Alltags, in der Nacht unserer Ängste, bei der Arbeit, die oft unsichtbar bleibt.

Die himmlische Herrlichkeit, die die Hirten umleuchtete, ist kein fernes Phänomen. Sie steht für die durchbrechende Wirklichkeit Gottes in unsere oft triste oder belastende Realität. Wo Menschen heute Liebe praktizieren, wo Vergebung geschieht, wo Hoffnung in ausweglosen Situationen festgehalten wird, da bricht etwas von diesem himmlischen Licht in unsere Welt ein. Die Kirche ist berufen, dieses Licht nicht für sich zu behalten, sondern es weiterzutragen – zu denen, die in verschiedenen „Nächten“ leben: Der Nacht der Einsamkeit, der Krankheit, der Trauer, der Sinnlosigkeit.

Das Zeichen der Krippe

Die Krippe bleibt das entscheidende Zeichen. Gott zeigt sich nicht in spektakulärer Macht, sondern in verletzlicher Liebe. Das ist eine ständige Herausforderung für unsere Vorstellungen von Stärke und Erfolg. In einer Welt, die Effizienz, Selbstoptimierung und Durchsetzungsvermögen feiert, erinnert uns die Krippe daran, dass Gottes Kraft in der Schwachheit vollendet wird (2. Korinther 12,9). Unser Heil kommt nicht von oben herab, als fertige Lösung, sondern von unten herauf, als solidarische Gegenwart in unserer menschlichen Zerbrechlichkeit.

3. Praktische Umsetzung – Wie leben wir aus dieser Wahrheit?

Erstens: Raum schaffen. Wie die Herberge damals, haben auch unsere Herzen oft „keinen Platz“ mehr. Wir sind voll mit Sorgen, Pflichten, digitalen Ablenkungen. Die erste praktische Konsequenz ist: Wir müssen bewusst Raum schaffen für Christus. Das kann durch Stille, Gebet, Lesen der Schrift geschehen. Es bedeutet, im Advent nicht nur äußerlich zu dekorieren, sondern innerlich zu erwarten.

Zweitens: Zu den Menschen gehen. Wie die Engel zu den Hirten gingen, sind wir gerufen, zu den Menschen an den Rändern zu gehen – nicht nur geographisch, sondern auch an den Rändern unserer Aufmerksamkeit: Die Kollegin, die immer still ist; der Nachbar, der alleine lebt; der Mensch, der anders denkt oder glaubt als wir. Das Evangelium ist zuallererst Beziehung.

Drittens: Das Zeichen der Demut annehmen. Die Krippe lädt uns ein, unsere eigenen Vorstellungen von Größe zu überprüfen. Wo suchen wir Anerkennung? Wo wollen wir glänzen? Die Nachfolge des Kindes in der Krippe führt oft in die „Ställe“ des Lebens – zu den unattraktiven Aufgaben, zum stillen Dienen, zum Verzicht auf Sichtbarkeit.

4. Schluss – Ein hoffnungsvoller Zuspruch

Die Botschaft von Lukas 2 bleibt aktuell: „Fürchtet euch nicht!“ In einer Welt voller Ängste – vor Krieg, Klimawandel, persönlichem Scheitern – spricht Gott sein befreiendes Wort. Der Heiland ist geboren. Nicht als ferner Gott, sondern als mitten unter uns lebendiger Christus. Die Hirten fanden ihn genau so, wie der Engel es gesagt hatte. Das ist die Verheißung auch für uns: Wer sucht, der findet. Wer aufbricht wie die Hirten, wird dem begegnen, der sich klein gemacht hat, um uns groß zu machen mit seiner Liebe.

Möge das Licht von Bethlehem unsere Herzen erleuchten. Möge die Freude der Hirten uns anstecken. Und mögen wir wie Maria die Worte Gottes in unserem Herzen bewegen und daraus leben – heute und an allen Tagen unseres Lebens. Denn Gott ist mit uns. Immanuel. In einem Stall geboren, für alle Zeiten bei uns bleibend.

Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.

© 2025 Michael Flesch - https://glaube-ich.de

Diese Predigt darf für nicht-kommerzielle, gemeindliche Zwecke genutzt werden. Bibelzitate nach der Luther-Übersetzung.