Hochzeit zu Kana

Jesu Herrlichkeit offenbart

Das erste Zeichen als Jesus die Alltäglichkeit verwandelte

Eine Predigt über Johannes 2, 1-13
Für alle, die nach mehr als nur dem Alltäglichkeiten suchen

Einleitung: Die Hochzeit, die alles veränderte

Liebe Leserin, lieber Leser,

stellen Sie sich vor, Sie wären dabei gewesen. Eine fröhliche Hochzeitsgesellschaft in einem kleinen galiläischen Dorf namens Kana. Die Luft ist erfüllt von Lachen, Musik und den Duft von Festtagsessen. Familien und Freunde sind zusammengekommen, um das größte Fest im Leben eines jungen Paares zu feiern. Alles scheint perfekt - bis zu dem Moment, als den Gastgebern der Wein ausgeht.

Was für eine peinliche, was für eine beschämende Situation! In einer Kultur, in der Gastfreundschaft heilig ist, wäre dies eine Katastrophe gewesen. Ein Makel, an den man sich jahrelang erinnert hätte. Die Festlichkeit drohte im Scheitern zu enden.

Und genau in diesem Moment der menschlichen Unzulänglichkeit, der Begrenztheit und der Scham geschieht etwas Außergewöhnliches. Jesus betritt die Bühne - nicht mit Donner und Blitz, nicht mit spektakulären Ankündigungen, sondern still, fast beiläufig. Und doch wird dieses Ereignis alles verändern.

Die Geschichte von der Hochzeit zu Kana, aufgezeichnet im Johannes 2, 1-13, ist mehr als nur ein Wunder. Sie ist ein Türöffner zum Verständnis dessen, wer Jesus wirklich ist und was er in unser Leben bringen möchte. Lassen Sie uns gemeinsam eintauchen in diese faszinierende Begebenheit und entdecken, welche revolutionäre Botschaft sie für uns heute bereithält.

Hauptteil: Die Tiefe eines scheinbar einfachen Wunders

1. Der Kontext: Warum eine Hochzeit?

Bevor wir uns dem Wunder selbst zuwenden, lohnt es sich, den Rahmen zu betrachten, den Gott für dieses erste Zeichen Jesu gewählt hat. Von allen möglichen Orten und Gelegenheiten - einer Synagoge, dem Tempel, einem Krankenbett - wählt Jesus eine Hochzeitsfeier. Das ist bedeutsam.

Eine Hochzeit symbolisiert Freude, Gemeinschaft, Liebe und Zukunftshoffnung. Sie ist ein Bild für den Bund zwischen Gott und seinem Volk. Indem Jesus hier sein erstes öffentliches Zeichen wirkt, zeigt er uns etwas Entscheidendes: Der Gott, den Jesus offenbart, ist nicht distanziert und weltfremd, sondern mitten im Leben stehend. Er interessiert sich für unsere Freuden, unsere Feste, unsere zwischenmenschlichen Beziehungen.

Vielleicht fragen Sie sich manchmal: "Kümmert Gott sich wirklich um die alltäglichen Dinge meines Lebens?" Die Antwort, die uns diese Geschichte gibt, ist ein klares Ja! Gott ist nicht nur für die "großen" Krisen und Probleme zuständig, sondern für das ganze Spektrum unseres Menschseins. Er möchte nicht nur unser Retter in der Not sein, sondern auch der Quelle unserer Freude.

Für Ihren Alltag:

Dürfen wir lernen, Gott in alle Bereiche unseres Lebens einzuladen - nicht nur in die schwierigen, sondern auch in die schönen Momente? Er möchte nicht nur unser Nothelfer, sondern auch unser Gastgeber der Freude sein.

2. Die Not: Wenn der Wein ausgeht

"Und als der Wein ausging, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein." (Johannes 2,3)

Diese einfache Feststellung markiert den Wendepunkt der Geschichte. Der Wein - in der antiken Welt nicht nur ein Genussmittel, sondern Symbol der Festfreude und des Segens - geht zu Ende. Die Ressourcen der Gastgeber sind erschöpft. Ihre menschliche Voraussicht und Planung haben nicht ausgereicht.

Ist das nicht ein Bild für unser Leben? Wie oft erleben wir, dass unsere inneren Ressourcen erschöpft sind? Dass die Freude und Begeisterung, mit der wir einmal angetreten sind, langsam aber sicher zur Neige geht? Dass unsere Kraft nicht ausreicht, unsere Geduld endlich ist, unsere Liebe begrenzt bleibt?

Maria, die Mutter Jesu, erkennt die Not. Sie wendet sich nicht an die Diener, nicht an den Veranstalter, sondern an Jesus. Und ihre Worte sind bemerkenswert knapp: "Sie haben keinen Wein." Sie formuliert keine konkrete Bitte, sondern vertraut einfach darauf, dass Jesus, wenn er von der Not weiß, das Richtige tun wird.

Jesu Antwort klingt auf den ersten Blick seltsam abweisend: "Was geht's dich an, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen." (Johannes 2,4) Doch im griechischen Original schwingt mehr mit. Die Anrede "Frau" ist respektvoll, ähnlich wie "gnädige Frau". Und die Frage "Was geht's dich an?" könnte man auch übersetzen mit: "Lass das meine Sorge sein."

Jesus macht klar: Er handelt nicht nach menschlichem Zeitplan oder Druck, sondern nach dem vollkommenen Plan des Vaters. Doch dann geschieht das Erstaunliche: Maria wendet sich an die Diener und sagt: "Was er euch sagt, das tut." (Johannes 2,5) Ohne eine konkrete Zusage gehört zu haben, vertraut sie ihm. Ihr Glaube geht dem Wunder voraus.

Für Ihren Alltag:

Dürfen wir Maria nacheifern? Wenn wir Mangel in unserem Leben spüren - an Freude, an Frieden, an Kraft, an Liebe - dürfen wir einfach zu Jesus kommen und sagen: "Hier ist die Leere. Hier ist die Not." Und dann dürfen wir ihm vertrauen, dass er auf seine Weise und zu seiner Zeit handeln wird.

3. Das Wunder: Verwandelndes Handeln Jesu

Nun kommt der Kern der Geschichte: "Es standen aber dort sechs steinerne Wasserkrüge für die Reinigungen der Juden, von denen jeder zwei oder drei Maße fasste. Jesus spricht zu ihnen: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis obenan." (Johannes 2,6-7)

Beachten wir die Details: Es handelt sich um steinerne Krüge, die für jüdische Reinigungsrituale verwendet wurden. Diese waren nicht für Trinkwasser bestimmt, sondern für rituelle Waschungen. Jeder Krug fasste etwa 80-120 Liter - eine immense Menge. Zusammen also fast 700 Liter!

Jesus befiehlt, diese Krüge bis zum Rand mit Wasser zu füllen. Die Diener gehorchen, ohne zu zögern, obwohl es keinen erkennbaren Sinn ergibt. Was sollten sie mit Hunderten von Litern Wasser in Reinigungskrügen auf einer Hochzeit anfangen?

Dann geschieht das Wunder: "Und er spricht zu ihnen: Schöpft nun und bringt's dem Speisemeister! Und sie brachten's." (Johannes 2,8)

Ohne dass beschrieben wird, wie es genau geschieht, ist das Wasser zu Wein geworden. Beachten Sie: Das Wunder geschieht im Verborgenen. Nur die Diener wissen, woher der Wein wirklich kommt. Die Gäste, der Bräutigam, der Speisemeister - sie alle genießen das Ergebnis, ohne den Ursprung zu kennen.

Der Speisemeister, ein Kenner guter Weine, kostet und ruft erstaunt den Bräutigam: "Jedermann gibt zuerst den guten Wein und, wenn sie betrunken werden, den geringeren; du aber hast den guten Wein bis jetzt zurückbehalten." (Johannes 2,10)

Was für eine ironische Feststellung! Der Bräutigam wusste von nichts, aber der wahre Gastgeber - Jesus - hatte das Beste für den Schluss aufgehoben.

Dieses Wunder ist so viel mehr als die Lösung eines logistischen Problems. Es ist eine tiefe theologische Aussage:

  • Verwandlung: Jesus verwandelt das Wasser des jüdischen Reinigungsrituals in den Wein der messianischen Freude. Das Alte Testament mit seinen Geboten und Waschungen wird erfüllt und verwandelt in die Fülle der messianischen Zeit.
  • Überfluss: Jesus schenkt nicht gerade so viel, wie nötig wäre, sondern im Übermaß - Hunderte von Litern des besten Weines! Gottes Gnade ist immer üppig, verschwenderisch großzügig.
  • Qualität: Es ist nicht irgendein Wein, sondern der beste Wein. Gott gibt nicht das Zweitbeste, sondern das Allerbeste.

Für Ihren Alltag:

Dürfen wir darauf vertrauen, dass Jesus nicht nur unsere Probleme lösen, sondern unser ganzes Leben verwandeln möchte? Aus dem Wasser unserer Pflichtübungen und Rituale möchte er den Wein der echten Begeisterung und Freude machen. Aus der Leere unserer Erschöpfung möchte er Fülle schenken.

4. Die Bedeutung: Das Zeichen der Herrlichkeit

Johannes beendet die Erzählung mit einer wichtigen theologischen Zusammenfassung: "Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat, geschehen in Kana in Galiläa, und er offenbarte seine Herrlichkeit; und seine Jünger glaubten an ihn." (Johannes 2,11)

Johannes nennt die Wunder Jesu nicht "Wunder" oder "Wundertaten", sondern "Zeichen". Ein Zeichen weist über sich selbst hinaus auf eine tiefere Wirklichkeit. Was offenbart uns dieses erste Zeichen also über Jesus?

Es offenbart seine Herrlichkeit. Das Wort "Herrlichkeit" (griech. "doxa") im Johannesevangelium verweist auf die göttliche Gegenwart und Herrlichkeit, die einst im Tempel wohnte. Johannes sagt uns: In Jesus ist Gottes Herrlichkeit wieder mitten unter uns Menschen gegenwärtig geworden - nicht mehr im Tempel aus Stein, sondern in der Person Jesu.

Es offenbart seine Identität als Messias. Im Alten Testament ist Wein ein Symbol für die messianische Heilszeit. Der Prophet Amos kündigte an: "Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, dass man den Pflüger mit dem Schnitter und den Traubenleser mit dem Sämann zusammentreffen hören wird; dann werden die Berge von Wein triefen und alle Hügel von ihm überfließen." (Amos 9,13) Mit dem Wunder in Kana sagt Jesus: Die messianische Zeit ist angebrochen! Ich bin der verheißene Retter!

Es offenbart seine verwandelnde Kraft. Jesus kann nicht nur Naturgesetze außer Kraft setzen, sondern die Qualität von Dingen grundlegend verändern. Aus Wasser wird nicht nur Wein, sondern bester Wein. So kann er auch unser Leben von Grund auf verwandeln - nicht nur oberflächlich reparieren, sondern von innen heraus erneuern.

Die Reaktion der Jünger ist die einzig angemessene: "und seine Jünger glaubten an ihn." (Johannes 2,11) Der Glaube ist die Antwort auf die Offenbarung der Herrlichkeit Jesu.

Für Ihren Alltag:

Dürfen wir heute neu die Herrlichkeit Jesu anschauen und wie die Jünger zum Glauben kommen? Nicht weil wir alle theologischen Fragen beantwortet bekommen, sondern weil wir sehen, wer er ist: Der Sohn Gottes, voller Gnade und Herrlichkeit, der unser Leben verwandeln möchte.

5. Die praktische Anwendung: Was bedeutet das für uns heute?

Vielleicht fragen Sie sich: "Das ist eine schöne Geschichte aus der Vergangenheit, aber was hat sie mit meinem Leben im 21. Jahrhundert zu tun?" Sehr viel! Lassen Sie uns drei praktische Konsequenzen ziehen:

Erstens: Jesus kümmert sich um deine alltäglichen Nöte.
Die Hochzeit von Kana lehrt uns, dass kein Bereich unseres Lebens zu profan oder unwichtig für Jesus ist. Ob es um berufliche Herausforderungen, Beziehungsfragen, finanzielle Sorgen oder einfach um die Suche nach Freude und Erfüllung geht - Jesus möchte in all diesen Bereichen handeln. Wir dürfen lernen, ihm auch die "kleinen" Dinge anzuvertrauen.

Zweitens: Jesus verwandelt aus der Leere zur Fülle.
Wie den Gastgebern in Kana geht uns oft der "Wein" aus - die Kraft, die Freude, die Geduld, die Liebe. Jesus möchte nicht nur unsere Defizite ausgleichen, sondern uns mit überfließender Fülle beschenken. Er möchte aus dem Wasser unserer Mühen den Wein seiner Freude machen. Aus der Leere unserer Erschöpfung möchte er Quellen des lebendigen Wassers sprudeln lassen.

Drittens: Der beste kommt zum Schluss.
Der Speisemeister staunte, dass der beste Wein bis zum Schluss aufgehoben wurde. Für die Jünger Jesu gilt: Das Beste kommt tatsächlich noch! Egal, welche Enttäuschungen, Brüche und Unvollkommenheiten wir in diesem Leben erfahren - die vollkommene Freude, der Friede und die Gemeinschaft mit Gott wartet noch auf uns. Das ewige Leben, das Jesus schenkt, ist der "beste Wein", der alles übertrifft, was wir bisher gekostet haben.

Für Ihren Alltag:

Dürfen wir heute neu einladen, dass Jesus in die Bereiche unseres Lebens kommt, in denen uns die Ressourcen ausgehen? Dürfen wir ihm unsere leeren Krüge hinhalten und zusehen, wie er Verwandlung schenkt?

Schluss: Einladung zur Verwandlung

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Geschichte von der Hochzeit zu Kana endet mit einem offenen Ende. Wir erfahren nicht, was aus dem Brautpaar wurde, wie die Gäste reagierten, oder wie sich dieses Ereignis auf das Dorf auswirkte. Aber das Entscheidende wurde gesagt: Jesus hat seine Herrlichkeit offenbart, und seine Jünger glaubten an ihn.

Jetzt ist die Frage an uns gerichtet: Was tun wir mit diesem Jesus? Ignorieren wir ihn wie viele Gäste auf der Hochzeit, die ahnungslos den Wein genossen, ohne nach der Quelle zu fragen? Oder folgen wir dem Beispiel der Diener, die Jesus vertrauten und taten, was er sagte - auch wenn es unlogisch erschien? Oder werden wir wie die Jünger, die seine Herrlichkeit sahen und an ihn glaubten?

Vielleicht spüren Sie in Ihrem Leben gerade eine Leere, eine Mangel, eine Erschöpfung. Der "Wein" ist Ihnen ausgegangen. Die Begeisterung in Ihrer Ehe ist verflogen, die Kraft in Ihrem Beruf ist aufgebraucht, die Freude in Ihrem Glauben ist verschwunden. Dann laden Sie Jesus ein in diese Situation! Zeigen Sie ihm die leeren Krüge und erlauben Sie ihm, zu handeln.

Jesus Christus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit. Was er in Kana tat, möchte er auch in Ihrem Leben tun: Verwandlung schenken, Fülle geben, seine Herrlichkeit offenbaren. Er möchte aus dem Wasser Ihrer Mühen den Wein seiner Freude machen. Aus der Leere Ihrer Sehnsucht möchte er die Fülle seiner Gegenwart schenken.

Die Einladung steht: "Was er euch sagt, das tut!" (Johannes 2,5) Öffnen Sie ihm Ihr Leben, vertrauen Sie ihm, folgen Sie ihm. Dann werden auch Sie erleben, wie er Ihre Alltäglichkeit verwandelt und seine Herrlichkeit in Ihrem Leben offenbart.

Gebet

Herr Jesus, danke, dass du mitten in unsere menschlichen Freuden und Nöte kommst.
Du siehst die Bereiche, in denen uns die Ressourcen ausgehen,
wo die Freude fehlt, die Kraft schwindet, die Liebe kalt geworden ist.

Wir laden dich ein in diese leeren Stellen.
Komm und verwandle unser Wasser in Wein.
Schenke uns deine Fülle, wo wir Mangel spüren,
deine Freude, wo wir traurig sind,
deine Kraft, wo wir schwach sind.

Hilf uns, dir zu vertrauen wie Maria,
dir zu gehorchen wie die Diener,
und an dich zu glauben wie die Jünger.

Offenbare deine Herrlichkeit in unserem Leben,
damit wir dich immer besser kennenlernen
und dir von ganzem Herzen nachfolgen.

Amen.

Segenswunsch

Gott segne Sie mit der verwandelnden Gegenwart Jesu Christi.
Er schenke Ihnen nicht nur das Nötige, sondern seine überfließende Fülle.
Er verwandle Ihre Alltäglichkeit in einen Ort seiner Herrlichkeit
und führe Sie immer tiefer in die Freude seiner Gemeinschaft.
Amen.