Die Nacht, die die Welt verwandelte

Am Abend vor dem Opfer – Die Einsetzung des Priestertums und der Eucharistie als göttliches Lebensgeheimnis

Die Nacht, die die Welt verwandelte - Dunkelheit lag über Jerusalem, als der Herr in jener letzten, heiligen Stunde vor seinem Leiden das größte Geheimnis der Gnade offenbarte. Nicht mit Donnerhall, nicht mit feurigen Zeichen – sondern in schweigender Hingabe brach Er das Brot, reichte den Kelch und stiftete so das heiligste aller Sakramente: die Eucharistie – Sein Fleisch als Speise, Sein Blut als Trank (Joh 6,55). Doch in diesem Augenblick, da Er den Neuen Bund in Seinem Blut besiegelte, erschuf Er mehr als ein Gedächtnismahl – Er rief das Priestertum ins Leben, den heiligen Dienst an diesem göttlichen Mysterium. „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ (Lk 22,19) – diese Worte waren nicht nur Auftrag, sie waren Weihe.

Das Priestertum: Geweihte Hände für das heiligste Opfer

In jener Nacht wurde den Aposteln – und in ihnen allen künftigen Priestern – eine Macht gegeben, die nicht von dieser Welt ist: die Macht, das zu vollziehen, was Christus selbst tat. Nicht als bloße Erinnerungsfeier, nicht als symbolische Handlung – sondern als wahre, wirkliche Gegenwart des einen Opfers von Golgatha auf unseren Altären. Das Priestertum der Kirche ist kein menschliches Amt, es ist göttliche Stiftung. „Du bist Priester auf ewig nach der Ordnung Melchisedeks!“ (Hebr 5,6) – in diesen Worten liegt das ganze Wunder: Der Hohepriester Christus teilt Sein eigenes Priestertum mit sterblichen Menschen, damit durch ihre Hände Er selbst handeln kann.

Der Priester steht am Altar nicht in eigenem Namen – er ist „Alter Christus“ , ein anderer Christus. Wenn er die Wandlungsworte spricht, ist es nicht er, der spricht – es ist Christus, der durch ihn handelt. Ohne das Priestertum gäbe es keine Eucharistie, und ohne die Eucharistie wäre die Kirche nicht die Kirche.

Die Eucharistie - Brennpunkt der göttlichen Liebe

O unfassbares Wunder! Auf jedem Altar, in jeder Hl. Messe, wird das Kreuzesopfer nicht wiederholt – es wird gegenwärtig gesetzt. Derselbe Christus, der sich am Kreuz hingab, gibt sich uns neu – nicht als Bild, nicht als Gleichnis, sondern in leibhaftiger Wirklichkeit. „Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird.“ (Lk 22,19) Kein menschlicher Verstand kann dies ganz erfassen – nur der Glaube darf hier knien und anbeten.

Die Eucharistie ist nicht nur Sakrament – sie ist der lebendige Christus selbst, der unter uns wohnt. Sie ist Nahrung für die Sterblichen, die Unsterblichkeit verheißt. Sie ist das Brot der Pilger, das uns stärkt für den Weg durch die Wüste dieser Welt. Sie ist das Unterpfand der künftigen Herrlichkeit – denn wer dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit (Joh 6,58).

Der Auftrag an die Kirche - Bewahrerin des heiligen Feuers

Die Kirche lebt von der Eucharistie – doch die Eucharistie verlangt von der Kirche Treue. Treue zum unveränderten Opfer, Treue zum geweihten Priestertum, Treue zur ganzen Fülle der Wahrheit, die Christus ihr anvertraut hat. Wo das Priestertum entehrt wird, wo die Eucharistie zur bloßen Feier verkommt, da verblasst das Antlitz der Kirche.

Doch wo Priester in Demut und Heiligkeit ihr Amt vollziehen, wo Gläubige in Ehrfurcht die Hostie empfangen – da strahlt die Kirche, wie sie ist: Braut Christi, Säule der Wahrheit, Arche des Heiles in stürmischer Zeit.

Anbetung und Sendung

Möge diese heilige Nacht des Grün Donnerstags uns neu die Größe dieser Gaben offenbaren: das Priestertum, durch das der Himmel die Erde berührt – die Eucharistie, in der Gott sich uns schenkt. Lasst uns anbeten! Lasst uns glauben! Und lasst uns diese Flamme der Liebe in die Welt tragen – denn die Welt hungert nach diesem Brot, auch wenn sie es nicht weiß.

Herr Jesus, ewiger Hohepriester,
du hast deiner Kirche das Opfer des Neuen Bundes
und die Priester zur Darbringung geschenkt.
Gib, dass wir das Geheimnis deiner Gegenwart
immer tiefer verehren und lieben.
Dich, das lebendige Brot, preisen wir jetzt
und in alle Ewigkeit. Amen.