14. Station: Jesus wird ins Grab gelegt

Jesus wird ins Grab gelegt – Das schöpferische Schweigen Gottes. Die Dämmerung bricht herein über Jerusalem. Josef von Arimathäa und Nikodemus tragen den leblosen Leib durch den kühlen Abend. Ein neues Grab, in den Felsen gehauen, noch unbenutzt, wartet – nicht aus Zufall, sondern weil die Schrift erfüllt werden muss: "Man hat sein Grab bei Frevlern bestimmt, doch bei einem Reichen war er im Tod" (Jesaja 53,9). Mit eiligen Händen, denn der Sabbat beginnt, wickeln sie den Leib in Leinenbinden, mischen die Myrrhe mit Aloe, hundert Pfund an Gewürzen (Johannes 19,39-40). Dann rollen sie den schweren Stein vor den Eingang. Finsternis. Stille. Ein Ende.

Doch was wie das finale Wort aussieht, ist in Wahrheit der großartigste Neubeginn der Geschichte. Der Evangelist Matthäus berichtet: "Josef nahm den Leichnam und hüllte ihn in ein reines Leinentuch. Dann legte er ihn in sein eigenes neues Grab, das er in den Felsen hatte hauen lassen" (Matthäus 27,59-60). In dieser schlichten Beschreibung liegt ein ungeheures Geheimnis verborgen: Der, der am Anfang sprach "Es werde Licht", der das Universum aus dem Nichts rief – er ruht jetzt im Nichts. Der lebendige Gott schweigt im Tod. Doch dieses Schweigen ist nicht leer – es ist schwanger von neuer Schöpfung.

Was sagt uns dieses Begräbnis für unseren Glauben? Eine Wahrheit, die unser ganzes Leben verwandeln kann: Gottes größtes Werk geschieht oft im Verborgenen. Während die Jünger verzweifeln, die Feinde triumphieren, die Welt zur Tagesordnung übergeht – da wirkt Gott im Dunkel des Grabes das Wunder der Auferstehung. Das Grab ist nicht Endstation – es ist der Schoß, aus dem das neue Leben geboren wird. Wie ein Samenkorn, das in der Erde zerfällt, so gibt Christus sich ganz dem Tod hin – um unendlich fruchtbar zu werden.

Für unser heutiges Leben wird diese Station zur tröstlichen Zusage in allen scheinbar ausweglosen Situationen:

Für die, die in der Dunkelheit der Depression gefangen sind – Gott wirkt auch im Finsteren. Für die, deren Träume begraben scheinen – im Grab keimt neues Leben. Für die, die sich von Gott verlassen fühlen – sein Schweigen ist nicht Abwesenheit, sondern tiefstes Wirken.

Doch diese Station ist auch Herausforderung: Können wir ausharren im Warten? Können wir vertrauen, wenn wir nichts sehen? Können wir glauben, dass Gott auch dann wirkt, wenn alle Zeichen auf Ende stehen? Das Grab lehrt uns die Geduld des Glaubens – die Gewissheit, dass Gottes Stunde kommt, auch wenn jede Uhr zu schlagen aufgehört hat.

Lassen Sie uns in dieser letzten Station des Schweigens verweilen:

"Herr Jesus,
der du im kühlen Felsengrab ruhtest,
der du dich dem Tod ganz hingegeben hast,
wie das Weizenkorn der Erde:

Lehre uns die Geduld des Grabes,
das Warten in der Finsternis,
das Vertrauen gegen allen Augenschein.
Nimm unsere begrabenen Hoffnungen,
unsere erstorbenen Träume,
unsere scheinbar toten Beziehungen,
und lege sie in dein heiliges Grab,
damit sie mit dir auferstehen –
verwandelt, verherrlicht, neu.

Mach uns zu Menschen,
die im Dunkel nicht verzagen,
die im Schweigen nicht irre werden,
die im Tod schon das Leben wittern.

Denn wir wissen:
Kein Grab ist so tief,
kein Stein so schwer,
keine Nacht so finster,
dass deine Auferstehungskraft
sie nicht durchbrechen könnte.

Du bist das Licht in unseren Gräbern,
die Hoffnung in unserer Verzweiflung,
das Leben in unserem Tod.

Amen."

Möge diese vierzehnte Station uns verwandeln – von ängstlichen Zweiflern zu mutigen Hoffnungsträgern. Denn wer mit Christus ins Grab steigt, wird mit ihm auferstehen – heute, morgen und in Ewigkeit. Das ist unser Glaube. Das ist unsere Hoffnung. Das ist das letzte Wort Gottes – das kein Grab der Welt je verschließen kann.