13. Station: Jesus wird vom Kreuz abgenommen

Jesus wird vom Kreuz abgenommen – Die Stunde, als der Himmel die Erde berührte.

Die Sonne steht tief am Horizont, der Sabbat bricht an. Da wagt es einer, den Mächtigen zu trotzen: Josef von Arimathäa, ein reicher Ratsherr, der sich heimlich zu Jesus bekannte, geht zu Pilatus und bittet um den Leichnam. Nikodemus kommt dazu, bringt Myrrhe und Aloe – hundert Pfund an Gewürzen (Johannes 19,39). Mit zitternden Händen lösen sie die Nägel, nehmen den zerschundenen Leib vom Kreuz. Maria, die Mutter, empfängt ihn – denselben Leib, den sie einst in Windeln gewickelt in der Krippe hielt, nun blutüberströmt, kalt, leblos. "Pietà" wird diese Szene später genannt werden – die fromme Trauer einer Mutter um ihren toten Sohn.

Die Schrift berührt uns mit ihrer schlichten Beschreibung: "Josef nahm den Leichnam und hüllte ihn in ein reines Leinentuch" (Matthäus 27,59). Kein Prunk, keine großen Worte – nur ein letzter Akt der Liebe an einem zerstörten Körper. Doch in dieser schlichten Handlung tut sich ein Abgrund der Bedeutung auf: Selbst im Tod wird Christus nicht allein gelassen. Selbst der scheinbar endgültige Sieg des Bösen wird durchbrochen von mutigen Gesten der Treue.

Was sagt uns diese ergreifende Szene für unseren Glauben? Eine Wahrheit, die uns demütig machen muss: Der christliche Glaube endet nicht beim Kreuz, aber er schaut dem Tod ins Auge. Wir sind keine spirituellen Schwärmer, die den Tod verklären – wir stehen vor dem zerschundenen Leib des Herrn und weinen. Doch unsere Tränen sind nicht ohne Hoffnung, denn wir wissen: Dieser Leib wird auferstehen! Die Pietà ist nicht das letzte Wort – aber sie ist ein notwendiges Wort auf dem Weg zur Herrlichkeit.

Für unser heutiges Leben wird diese Station zur Schule der Barmherzigkeit in einer Welt, die den Tod verdrängt:

Für die, die einen geliebten Menschen verloren haben – seht, auch Gottes Sohn wurde beweint. Für die, die einen Toten waschen und kleiden – ihr vollzieht denselben heiligen Dienst wie Josef und Nikodemus. Für die, die sich vor dem Anblick des Todes fürchten – Christus hat ihn durchlebt, um ihn zu verwandeln.

Doch diese Station ist auch Aufruf zum mutigen Bekenntnis: Josef und Nikodemus, die sich zuvor versteckt hatten, wagen nun öffentlich, zu Jesus zu stehen. Der Tod Christi macht aus Feiglingen Zeugen. Was für eine Verheißung auch für uns! Wie viele verstecken ihren Glauben heute aus Angst vor Spott oder Nachteilen? Der vom Kreuz abgenommene Christus ruft uns zu: Habt Mut! Steht zu mir! Selbst wenn es euch alles zu kosten scheint!

Lassen Sie uns in dieser Station der schmerzlichen Liebe innehalten:

"Herr Jesus,
der du im Schoß deiner Mutter liegst,
kalt und leblos,
und doch schon den Keim der Auferstehung in dir trägst:

Lehre uns die Kunst des Abschiednehmens,
die nicht verdrängt,
sondern aushält.
Die Trauer, die nicht verzweifelt,
sondern hofft.
Die Liebe, die selbst dem Tod
noch mit zärtlichen Händen begegnet.

Mach uns zu Jüngern,
die wie Josef und Nikodemus
den Mut finden,
öffentlich zu dir zu stehen –
auch wenn die Stunde dunkel scheint.

Lass uns verstehen:
Jede Pietà unseres Lebens –
jeder Schmerz, jeder Abschied –
ist in deinem Tod schon verwandelt
und wartet nur noch
auf das Morgenrot der Auferstehung.

Denn du lebst und herrschst in Ewigkeit.
Amen."

Möge diese dreizehnte Station uns verwandeln – von ängstlichen Versteckern zu mutigen Zeugen, von ohnmächtigen Trauernden zu hoffenden Pilgern. Denn wer mit Maria den toten Christus im Arm hält, der weiß: Dieser Leib wird auferstehen – und mit ihm alle, die in ihm sterben.