7. Station: Jesus fällt zum zweiten Mal
Jesus fällt zum zweiten Mal – Die heilige Beharrlichkeit in einer Welt der Resignation. Die Straßen Jerusalems sind steil, die Last unerträglich, die Kräfte erschöpft. Und wieder – zum zweiten Mal – bricht der Gottessohn unter dem Gewicht des Kreuzes zusammen. Der Staub der Straße vermischt sich mit seinem Blut, die Spötter lachen, die Soldaten fluchen. Doch in diesem erneuten Sturz offenbart sich eine Wahrheit, die unserem Zeitalter der schnellen Erfolge und sofortigen Lösungen fremd geworden ist: Das Leben besteht nicht darin, nie zu fallen, sondern immer wieder aufzustehen.
Die Heilige Schrift schweigt über diese Stürze, doch das Wort des Propheten klingt nach: "Er wurde misshandelt und niedergedrückt, aber er tat seinen Mund nicht auf. Wie ein Lamm, das man zum Schlachten führt" (Jesaja 53,7). In diesem zweiten Sturz wird das prophetische Bild vollends Wirklichkeit – der Gerechte wird zermalmt, doch er gibt nicht auf. Christus, der schon vorher unter der Last zusammengebrochen war, erhebt sich erneut – nicht weil das Kreuz leichter geworden wäre, sondern weil die Liebe stärker ist als alle Ohnmacht.
Was sagt uns dieser zweite Sturz für unseren Glauben? Eine Wahrheit, die uns demütig machen muss: Selbst der Sohn Gottes kennt das Scheitern – nicht einmal, sondern wiederholt. Der Weg zur Erlösung ist kein triumphaler Aufstieg, sondern ein mühsames Aufstehen nach jedem Fall. Petrus, der nach seiner Verleugnung wieder zum Felsen wurde; Augustinus, der aus seinem sündigen Leben zum Kirchenlehrer aufstieg – sie alle bezeugen: Heiligkeit besteht nicht in fehlerloser Vollkommenheit, sondern in der beharrlichen Rückkehr zu Gott.
Für unser heutiges Leben wird diese Station zur dringlichen Frage: Wie gehen wir mit unseren wiederholten Niederlagen um? In einer Welt, die nach dem ersten Scheitern schon aufgibt, ruft uns Christus zu standhafter Beharrlichkeit:
Dem Sünder, der schon wieder rückfällig wurde – steh auf, beginn neu! Der Ehe, die nach dem hundertsten Streit zerbricht – versucht es noch einmal! Dem Suchtkranken, der nach Jahren der Abstinenz wieder fiel – gib nicht auf! Der zweite Sturz Jesu lehrt uns: Gott rechnet nicht unsere Niederlagen, sondern unsere Versuche, wieder aufzustehen.
Doch diese Station warnt uns auch vor der Illusion des schnellen Erfolgs. Der Kreuzweg ist lang, die Straße steil – wer meint, mit ein paar frommen Übungen schon am Ziel zu sein, irrt gewaltig. Das geistliche Leben ist ein langer Kampf, bei dem selbst die Heiligen immer wieder fielen und aufstanden. Entscheidend ist nicht der Sturz, sondern die Bereitschaft, die Hand Gottes zu ergreifen und weiterzugehen.
Lassen Sie uns in dieser Station innehalten und beten:
"Herr Jesus,
der du unter der Last des Kreuzes
zum zweiten Mal zusammengebrochen bist:
Lehre uns deine heilige Beharrlichkeit,
wenn wir wieder und wieder scheitern.
Nimm uns die Angst vor unseren Schwächen,
die Furcht vor dem erneuten Fall.
Schenke uns die Demut,
deine Hand zu ergreifen,
wenn wir allein nicht weiterkönnen.
Lass uns erkennen:
Jeder deiner Stürze
war ein Schritt unserer Erlösung.
Jedes unser Aufstehen
ein Sieg deiner Gnade.
Denn du lebst und herrschst in Ewigkeit.
Amen."
Möge diese siebte Station uns verwandeln – von mutlosen Resignierten zu standhaften Glaubenskämpfern. Denn wer mit Christus fällt und wieder aufsteht, der geht den Weg aller Heiligen – nicht makellos, aber beharrlich; nicht perfekt, aber treu. Und am Ende dieses Weges wartet nicht der Spott der Menge, sondern die Herrlichkeit der Auferstehung.