3. Station: Als Gott im Staub lag

Dritte Station: Als Gott im Staub lag – Die heilige Kraft des Scheiterns

In diesem entscheidenden Moment des Kreuzwegs geschieht das Unfassbare: Der Schöpfer des Universums liegt gestürzt im Straßenstaub Jerusalems. Das Kreuz, Symbol unserer Erlösung, drückt seinen geschundenen Körper nieder. Blut vermischt sich mit Erde, Atem geht keuchend, die Menge schreit - und inmitten dieses Chaos offenbart sich eine Wahrheit, die unsere perfektionistische Welt erschüttert: Gott selbst erfährt das Scheitern.

Kein Evangelist berichtet explizit von diesem Sturz, doch die betende Kirche hat ihn nie vergessen. Weil wir spüren: Hier verdichtet sich das ganze Geheimnis der Menschwerdung. Nicht als triumphaler König kommt Christus zu uns, sondern als einer, der unter der Last zusammenbricht. Der Prophet Jesaja sah es voraus: "Er wurde verachtet und von den Menschen gemieden, ein Mann voller Schmerzen, mit Krankheit vertraut" (Jes 53,3).

Was bedeutet dieses Bild für unseren Glauben? Eine revolutionäre Botschaft: Nicht der makellose Übermensch ist das Vorbild, sondern der, der fällt und wieder aufsteht. Petrus verleugnete - und wurde zum Fels. Augustinus irrte - und wurde Kirchenlehrer. Die Heiligkeit besteht nicht im perfekten Lebenslauf, sondern in der Bereitschaft, sich von Gott immer wieder aufrichten zu lassen.

In unserer Zeit, die Erfolg anbetet und Scheitern ächtet, wird diese Station zur prophetischen Anklage:

Für unsere Jugendlichen, die unter Leistungsdruck ersticken: Seht, der Sohn Gottes liegt im Staub - euer Wert hängt nicht an Noten oder Likes. Für die Arbeitslosen und Gescheiterten: Christus kennt eure Scham - und heiligt sie. Für die Perfektionisten: Gottes Gnade braucht keine makellose Fassade.

Unsere Gesellschaft hat das Fallen verlernt. Wir betäuben Schmerzen mit Pillen, vertuschen Fehler mit Lügen, inszenieren uns in sozialen Medien als unverwundbar. Doch hier liegt der Erlöser der Welt - besiegt, gedemütigt, menschlich. Eine ewige Mahnung: Erst wer seine Schwäche annimmt, kann wahrhaft stark werden.

Doch dieser Sturz ist kein Ende - er ist Durchgang. Christus steht wieder auf. Nicht weil das Kreuz leichter geworden wäre, sondern weil die Liebe stärker ist als alle Ohnmacht. So auch wir: Unsere Krisen sind nicht Abgründe, sondern Geburtsorte neuen Lebens.

"Steh auf!" sagt Jesus heute zu jedem Gefallenen. Dem Sünder. Der Depressiven. Dem Gescheiterten. Dem Burnout-Opfer. Und dieses Aufstehen geschieht nicht durch eigene Kraft, sondern indem wir - wie Christus - unsere Wunden dem Vater hinhalten.

Liebe Freunde in einer Welt der Selfies und Scheinwelten schenkt uns diese Station die Freiheit, menschlich zu sein. Mit all unseren Brüchen. Denn gerade im Staub unserer Niederlagen begegnet uns Gott am tiefsten.

Lassen Sie uns beten:
"Herr, der du im Staub lagst und doch die Welt erhobst,
lehre uns die Demut des Scheiterns.
Gib uns den Mut, unsere Masken abzulegen,
die Kraft, immer wieder aufzustehen,
und die Gewissheit:
Kein Sturz ist so tief,
dass deine Hand ihn nicht erreicht.
Denn du lebst und herrst in Ewigkeit.

Amen."